Die Geschichte der Volkspartei.

Die Gründungsmitglieder der Österreichischen Volkspartei
(Bild mit Gründungsmitgliedern 1945)
Die „Österreichische Volkspartei“ wurde am 17.April 1945 im Schottenstift (Schottenhof, 1010 Wien) durch Leopold Kunschak, Hans Pernter, Lois Weinberger, Leopold Figl, Julius Raab und Felix Hurdes gegründet. Erster Parteiobmann war Leopold Kunschak.

Ziel der Volkspartei war und ist die politische Repräsentanz und Vertretung aller österreichischen Bürgerinnen und Bürger. Sie betont daher mit ihrem Namen „Volkspartei“ nicht etwa die ideologische Ausrichtung, sondern stellt den Menschen und die Gemeinschaft in den Mittelpunkt.

“Ich kann Euch zu Weihnachten nichts geben, ich kann Euch für den Christbaum, wenn ihr überhaupt einen habt, keine Kerzen geben, kein Stück Brot, keine Kohle, kein Glas zum Einschneiden. Wir haben nichts. Ich kann Euch nur bitten, glaubt an dieses Österreich!”
- Leopold Figl, Weihnachtsansprache 1945



Grundsätze und Werte

Das Wertesystem der Volkspartei wurzelt in einer christlich-abendländischen und humanistischen Tradition. Mit den „15 programmatischen Leitsätzen“ vom Juni 1945 präsentierte sie sich als soziale und wirtschaftliche Volkspartei. Sie sprach damals eine breite Bürgerschaft an und vereinte die Christliche Soziallehre mit dem Konservatismus und dem Liberalismus sowie dem Bekenntnis zur parlamentarischen Demokratie und zur österreichischen Nation. Auf das Grundsatzprogramm von 1945 folgte 1972 das „Salzburger Programm“ und 1985 die Ergänzung durch das „Zukunftsmanifest“. Im Grundsatzprogramm von 1995 werden die Werte Freiheit, Verantwortung, Leistung, Sicherheit und Subsidiarität betont. Außerdem wurde das auf dem ökologischen Prinzip der Nachhaltigkeit beruhende Konzept der „Ökosozialen Marktwirtschaft“ als ökonomisches Ordnungssystem der Zukunft in das Grundsatzprogramm aufgenommen. Darunter wird das Ziel verstanden, die natürlichen Lebensgrundlagen für die nachfolgenden Generationen zu erhalten. Die Volkspartei versteht sich als christdemokratische Partei, Partei des liberalen Rechtsstaates und der offenen Gesellschaft, als Österreichpartei in Europa, Partei der ökosozialen Marktwirtschaft und als Partei des österreichischen Volkes. Die Ergebnisse von "Evolution Volkspartei", der breiten Bewegung zur Weiterentwicklung der Volkspartei, wurden als Leitantrag am Reformparteitag vom 12. und 13. Mai 2015 in Wien diskutiert und als ein neues Grundsatzprogramm und neues Organisationsstatut beschlossen.



Sebastian Kurz
seit 2017
Portraitfoto: Sebastian Kurz
Als Folge des Rücktritts von Dr. Reinhold Mitterlehner als Bundesparteiobmann im Mai 2017 werden in der Volkspartei wesentliche Richtungsentscheidungen getroffen: Sebastian Kurz wird zum bisher jüngsten Bundesparteiobmann der Volkspartei gewählt. Mit Elisabeth Köstinger als Generalsekretärin und Dr. Stefan Steiner als Generalsekretär sowie Axel Melchior als Bundesgeschäftsführer setzt Sebastian Kurz auf ein junges Team, das die Volkspartei mit einem neuen Stil als moderne, offene politische Kraft positioniert. Damit schafft die Volkspartei ein neues Angebot für eine neue Zeit, um mit erfahrenen Kräften und vielen neuen Persönlichkeiten wichtige positive Veränderungen für Österreich zu erreichen.
Reinhold Mitterlehner
2014 - 2017
Portraitfoto: Reinhold Mitterlehner
Nach dem Rückzug von Dr. Michael Spindelegger aus der Politik wird Dr. Reinhold Mitterlehner sein Nachfolger als Bundesparteiobmann der Volkspartei sowie Vizekanzler. Er bleibt Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsminister. Neuer Finanzminister wird Dr. Hans Jörg Schelling. Schelling konnte sich seine Expertise als Fachmann durch langjährige Führungspositionen in der Privatwirtschaft sowie als Vizepräsident der Wirtschaftskammer und als Vorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger erwerben. Mitterlehner holt Dr. Harald Mahrer als Staatssekretär in sein Team und setzt damit ein klares Signal an Wirtschaft und Wissensgesellschaft. Beim Bundesparteitag am 8. November 2014 wird Mitterlehner zum neuen Bundesparteiobmann der Volkspartei gewählt. Bei seinem Antritt als Obmann stellt er die Bürgernähe in den Fokus seiner Politik. Ganz nach dem Motto: "Zuhören.Verstehen.Umsetzen."
Michael Spindelegger
2011 - 2014
Portraitfoto: Michael Spindelegger
Aufgrund gesundheitlicher Probleme muss sich Josef Pröll im April 2011 aus der Politik gänzlich zurückziehen. Außenminister Dr. Michael Spindelegger übernimmt die Agenden des Vizekanzlers und wird am 20. Mai am Parteitag der Volkspartei in Innsbruck mit über 95 Prozent zum neuen Obmann gewählt. Ein neues Team wird zusammengestellt. Zu diesem Zeitpunkt stellt die Volkspartei die Minister Spindelegger (Äußeres), Mitterlehner (Wirtschaft/Familien), Fekter (Finanzen), Mikl-Leitner (Inneres), Karl (Justiz), Töchterle (Wissenschaft) und Berlakovich (Umwelt/Landwirtschaft), unterstützt von den Staatsekretären Kurz (Integration), dem jüngsten Regierungsmitglied aller Zeiten, und Lopatka (Äußeres).
Josef Pröll
2008 - 2011
Portraitfoto: Josef Pröll
Nach Verlusten bei den vorgezogenen Neuwahlen 2008 tritt Wilhelm Molterer zurück und schlägt Josef Pröll als seinen Nachfolger vor, der im November 2008 mit knapp 90% der Stimmen kurz nach seinem 40. Geburtstag zum bis dato jüngsten Obmann in der Geschichte der Volkspartei gewählt wird. Unter Pröll kommt es zur Fortsetzung der großen Koalition mit der SPÖ. Bei den Wahlen zum EU-Parlament 2009 wird die Volkspartei stärkste Kraft. Die Dramatik der Situation auf den Finanzmärkten und die negative Dynamik der wirtschaftlichen Entwicklung fordern von allen Beteiligten zügige Entscheidungen und 2010 die Umsetzung eines der größten Budgetsanierungspakete in der Zweiten Republik.
Wilhelm Molterer
2007 - 2008
Portraitfoto: Wilhelm Molterer
Nach den gescheiterten Nationalratswahlen 2006, bei denen die Bundespartei deutlich an Stimmen verliert, tritt Wolfgang Schüssel 2007, unmittelbar nach den Koalitionsverhandlungen, zurück. Sein Nachfolger und Vizekanzler wird Wilhelm Molterer, der in dieser Zeit viele Themen und Anliegen der Volkspartei innerhalb der Regierung durchsetzen kann.
Wolfgang Schüssel
1995 - 2007
Portraitfoto: Wolfgang Schüssel
Nach Erhard Busek wird 1995 Wolfgang Schüssel Parteiobmann. Wegen der fortlaufenden Probleme der großen Koalition kündigt die Volkspartei diese schließlich auf und es kommt zu Neuwahlen im Dezember 1995, bei denen die Volkspartei leicht zulegen kann. Die Wahlen zum Europaparlament machen die Volkspartei wieder zur stimmenstärksten Partei Österreichs. Dennoch fällt man 1999 bei den Nationalratswahlen hinter SPÖ und FPÖ zurück. Nach langen, gescheiterten Verhandlungen mit der SPÖ bildet die Volkspartei 2000 nun eine Koalition mit der FPÖ. Durch Konflikte innerhalb der FPÖ kommt es 2002 zu vorgezogenen Neuwahlen, bei denen die Volkspartei unter Schüssel einen überwältigenden Wahlerfolg erzielt, mit Abstand stärkste Partei wird und den größten Zugewinn aller Parteien bei Wahlen in der 2. Republik erreicht. Als es 2005 dann zur Parteispaltung innerhalb der FPÖ kommt, setzt man die Regierungsarbeit mit dem BZÖ fort. 2005 feiert die Österreichische Volkspartei auch ihr 60-jähriges Jubiläum. In dieser Zeit ist sie für Österreich 44 Jahre in der Regierung.
Erhard Busek
1990 - 1995
Portraitfoto: Erhard Busek
Als die Bundespartei 1990 17 Mandate bei der Nationalratswahl verliert, übernimmt Erhard Busek die Führung an der Parteispitze. Der von Mock und Vranitzky erfolgreich eingeleitete Europakurs gipfelt 1994 bei der Volksabstimmung zum EU-Beitritt in einer großen Mehrheit (2/3 der Wähler) für den Beitritt Österreichs in die Staatengemeinschaft, der schließlich 1995 – gleichzeitig mit Finnland und Schweden – vollzogen wird. Nachdem beide Großparteien bei der Nationalratswahl 1994 durch den Aufstieg Jörg Haiders an Stimmen verlieren, steht die große Koalition auf wackeligen Beinen.
Josef Riegler
1989 - 1990
Portraitfoto: Josef Riegler
Ende 1989 löst Josef Riegler Alois Mock als Bundesparteiobmann ab. Mit ihm findet das Konzept der „Ökosozialen Marktwirtschaft“ Eingang in das Grundsatzprogramm der Volkspartei und wird zu ihrem zukunftsweisenden Leitmotiv.
Alois Mock
1979 - 1989
Portraitfoto: Alois Mock
Nach Taus Rücktritt 1979 wird Alois Mock Parteiobmann. Mock leitet umfassende Reformen in der Volkspartei ein – so wird etwa die Einheit der Bundespartei über die Ansprüche der Bünde gestellt und das Parteipräsidium als neues Entscheidungsgremium an der Spitze geschaffen. Politisch setzt Mock Schwerpunkte bei der Sicherung der Arbeitsplätze durch eine starke Wirtschaft, bei der Erhöhung der Kaufkraft sowie der Reduktion von Steuern. Die Ära Mock bringt die Wende für die Partei: Bei den Wahlen von 1983 verliert die SPÖ ihre absolute Mandatsmehrheit. Die Volkspartei hingegen kann an Stimmen gewinnen, stellt 1986 den Bundespräsidenten und bleibt bei den Nationalratswahlen Ende 1986 nur knapp hinter der SPÖ. Anfang 1987 kommt es dann unter Vranitzky und Mock wieder zu einer großen Koalition. In dieser Regierungsperiode können unter Alois Mock wichtige Schritte in der Europapolitik gesetzt und der Beitritt zur EG bzw. EU vorbereitet werden. Im Sommer 1989 kommt es zum Fall des Eisernen Vorhangs und zur Grenzöffnung zwischen Österreich und Ungarn.

www.alois-mock.at
Josef Taus
1975 - 1979
Portraitfoto: Josef Taus
Unter Josef Taus ist die Volkspartei weiter in Opposition, ändert aber ihren Stil. Denn die Vorliebe für den breitflächigen Angriff an zu vielen Fronten, der rasch verpuffte, habe die große Oppositionspartei zu oft beherrscht. Um gleich zu Beginn der Periode einen aggressiven Oppositionsstil zu demonstrieren, bringt die Volkspartei Anträge auf Einsetzung von Untersuchungsausschüssen ein, die von der SPÖ-Mehrheit allerdings abgelehnt werden. Nach dem für die Volkspartei enttäuschenden Ergebnis der Nationalratswahl 1979 legt Josef Taus seine Funktion zurück.
Karl Schleinzer
1972 - 1975
Portraitfoto: Karl Schleinzer
Trotz einer Öffnung der Volkspartei ist es die SPÖ, die bei den vorgezogenen Nationalratswahlen 1971 die absolute Mehrheit erreicht; die Volkspartei bleibt in der Opposition. Als 1972 zum Jahr der Parteiarbeit erklärt wird, nutzt die Volkspartei diese Chance zu einer programmatischen Neuorientierung, welche im „Salzburger Programm“ festgeschrieben wird. Darin bekennt man sich u. a. zu einer „partnerschaftlichen Gesellschaft“ und verortet sich ideologisch als „progressive Mitte“ und „christliche Partei“. Mitten im Wahlkampf, am 19.Juli 1975, verunglückt Karl Schleinzer tödlich. Den Parteivorsitz übernimmt für ihn der Bankmanager Josef Taus. Auch nach den Wahlen von 1975 und 1979 bleibt die Volkspartei in der Opposition.
Hermann Withalm
1970 - 1972
Portraitfoto: Hermann Withalm
Aufgrund des Ergebnisses der Nationalratswahl vom 1. März 1970 wird die Volkspartei erstmals seit 1945 Oppositionspartei. Daraufhin gibt Josef Klaus den Parteivorsitz an den früheren Vizekanzler Hermann Withalm weiter. Als Partei, die 25 Jahre lang Haupt- bzw. Alleinverantwortung in diesem Land trug und sich als geborene Regierungspartei fühlt, ist die Volkspartei für die Oppositionsrolle kaum gerüstet. Denn sie hat es verabsäumt, entsprechende politische Einrichtungen im erforderlichen Umfang zu installieren und kann daher nicht im selben Maße wie die SPÖ zuvor auf eigene oder nahe stehende Organisationen zurückgreifen. Außerdem wird der Parlamentsklub quasi als "Nebenbeschäftigung" gesehen. So werden unter Withalm erst Stück für Stück Expertenpools aufgebaut. Die Volkspartei entwickelt damals das Prinzip der differenzierten Oppositionspolitik, also keine Opposition der grundsätzlichen Gegnerschaft sondern konstruktive Arbeit auf Basis der Verantwortung. Bereits 1972 gibt Withalm den Parteivorsitz an Karl Schleinzer ab.
17 Jahre Opposition
1970 - 1987
Nachdem die Volkspartei bei den Nationalratswahlen 1970 die Mehrheit verliert und die SPÖ unter Duldung der FPÖ eine Minderheitsregierung bildet, geht die Volkspartei in die Opposition. Erst mit Alois Mock als Bundesparteiobmann kommt man wieder in Regierungsverantwortung.
Josef Klaus
1964 - 1970
Portraitfoto: Josef Klaus
Im April 1964 folgt Josef Klaus Alfons Gorbach als neuer Bundeskanzler nach. Bei den Nationalratswahlen 1966 erreicht die Volkspartei mit einem Zugewinn von 4 Mandaten erneut die absolute Mehrheit und bildet bis 1970 die erste Alleinregierung der Zweiten Republik. Kanzler Josef Klaus, der mit Grete Rehor als Sozialministerin zum ersten Mal eine Frau in die Bundesregierung holt, kann vor allem wirtschafts- und bildungspolitische Reformen umsetzen. Unter ihm gibt es auch zum ersten Mal einen „Bericht zur sozialen Lage“ im Land. Nach einem Rundfunkvolksbegehren initiiert die Regierung eine Rundfunkreform, durch die der staatliche Rundfunk von den Parteien unabhängig wird. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung beschließt Finanzminister Stephan Koren umfassende Steuerreformen.
Alfons Gorbach
1961 - 1964
Portraitfoto: Alfons Gorbach
Die erste große Reformbewegung innerhalb der Volkspartei entsteht mit der „Neuen Österreichischen Gesellschaft“ durch Landeshauptmann Josef Krainer senior und Außenminister Karl Gruber. Dies führt zur Ablösung von Julius Raab an der Parteispitze. Alfons Gorbach wird 1960 Bundesparteiobmann und übernimmt schließlich im April 1961 als Bundeskanzler die Regierungsgeschäfte. Bei den Wahlen 1962 gewinnt die Volkspartei mit Gorbach zwei Mandate hinzu.
Der Staatsvertrag
1955
In den – mittlerweile legendären – Verhandlungen in Moskau 1955 verspricht die österreichische Regierung der Sowjetunion die Neutralität für Österreich nach dem Vorbild der Schweiz. Am 15. Mai 1955 ist es schließlich soweit: der Staatsvertrag wird im Schloss Belvedere in Wien mit den vier Beatzungsmächten unterzeichnet, die noch im gleichen Jahr das Land verlassen. Das Bild von Leopold Figl, inzwischen Außenminister unter Bundeskanzler Julius Raab, der den Staatsvertrag am Balkon des Schlosses tausenden Menschen zeigt und „Österreich ist frei“ verkündet, gilt wohl als der wichtigste Zeitpunkt in der Geschichte der 2.Republik. Die errungene Eigenständigkeit des Landes und das auf der sozialen Marktwirtschaft basierende Wirtschaftsprogramm von Raab und Kamitz führen in Österreich zu einem wahren Wirtschaftswunder. Bei vorgezogenen Neuwahlen 1956 kann die Volkspartei deutlich an Stimmen gewinnen, stellt abermals den Bundeskanzler und bildet erneut eine Koalition mit der SPÖ. Als im Herbst 1956 die ungarische Revolution durch die rote Armee niedergeschlagen wird, hat die österreichische Neutralität ihre erste Bewährungsprobe: Man beordert das Bundesheer an die österreichische Ostgrenze, um dort flüchtende Ungarn aufzunehmen und vor den Russen zu beschützen. 1958 bekräftigt die Volkspartei im Grundsatzprogramm „Was wir wollen“ den Ausbau von Bildungsmaßnahmen, den Eintritt für die Familie und ihren Einsatz für ein "Volk von Eigentümern", in dem jede Familie ihr eigenes Heim haben soll. Die Volkspartei sieht die Zukunft Österreichs bereits in Europa. 1959 kommt es nach den Nationalratswahlen neuerlich zur Bildung einer großen Koalition unter Julius Raab.
Julius Raab
1953 - 1961
Portraitfoto: Julius Raab
Im Juni 1952 wird Julius Raab zum geschäftsführenden Obmann, im Februar 1953 zum Parteiobmann gewählt. Da die SPÖ ihre Zustimmung zu dem Wirtschaftsprogramm, das von Finanzminister Reinhard Kamitz auf Sparsamkeit und eine harte Schilling-Währung ausgerichtet wird, verweigert, kommt es im Februar 1953 zu Neuwahlen, nach denen Julius Raab Bundeskanzler wird und die Volkspartei gemeinsam mit der SPÖ die Regierung bildet. Der von Kamitz eingeschlagene Wirtschaftskurs baut die „Soziale Marktwirtschaft“ in Österreich auf. Er folgt dem Motto „zuerst verdienen, dann ausgeben“ und geht als Raab-Kamitz-Kurs in die Geschichte ein. Dabei werden gleichzeitig durch Sparsamkeit der Staatshaushalt saniert und durch Investitionsförderungen die Konsumgüterproduktion angekurbelt.
Leopold Figl
1945 - 1953
Portraitfoto: Leopold Figl
Während der ersten provisorischen Konzentrationsregierung unter Karl Renner (SPÖ) wird Leopold Figl im September 1945 zum Bundesparteiobmann der Volkspartei gewählt. Im Wahlkampf zu den ersten Nationalratswahlen in der Geschichte der Zweiten Republik im Jahr 1945 kann sich die Volkspartei als die österreichische Partei mit Pioniergeist und Aufbauwillen positionieren. Am 25.November 1945 wird der Verantwortungsanspruch der Volkspartei dann von den Menschen bestätigt. Sie erringt mit knapp 50% aller Stimmen die absolute Mehrheit im ersten Nationalrat. Leopold Figl wird Bundeskanzler und bildet eine Konzentrationsregierung mit SPÖ und KPÖ. Bereits damals waren die Wirtschaftsressorts unter der Obhut der Volkspartei. 1949 koaliert Figl erneut mit der SPÖ (unter Adolf Schärf). Die politische Arbeit ist vom Wiederaufbau des Landes und vom Streben nach Freiheit und Eigenständigkeit für Österreich geprägt.
Gründungsjahr
1945
In der "Österreichischen Volkspartei" findet sich 1945 ein breites Spektrum unterschiedlicher politischer Positionen wieder. Nach den Erfahrungen seit 1933 bekennen sich die Christlich-Sozialen zur parlamentarischen Demokratie und wenden sich vom autoritären Kurs Dollfuß´ und der Ständestaatsideologie ab. Es kommt zu einer Öffnung für liberale Ideen anstelle der konfessionellen Bindung (politischer Katholizismus) und man bekennt sich zu marktwirtschaftlichen Konzepten. Bereits kurz vor der Gründung der Partei erfolgt die Etablierung einer bündischen Struktur: Arbeiter- und Angestelltenbund sowie der Bauernbund werden bereits im April gegründet, der Wirtschaftsbund folgt im Mai.
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